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Einleitung zur Inselgeschichte

Wieder auf dem Weg

Wir gehen wieder über eine weite Prärie, die nicht sehr zivilisiert aussieht, nachdem wir aus den Wald, der das Dorf der Ieldegrandeats einschließt, gekommen sind. Wir haben uns entschlossen, weiter zu ziehen, um nach unseren Eltern zu suchen. In den ersten Tagen unserer Reise geschieht nicht viel, doch das ist für uns ja ein gutes Zeichen. Wenn es doch nur so bleiben könnte, wenn die Reise doch nur weiterhin so ruhig verliefe! Am Abend, wenn wir nach anstrengender Wanderung endlich Rast machen, gibt es am Lagerfeuer genügend Fleisch und sogar verschiedenes Gemüse, an dem wir uns satt essen können, denn dafür hat Disalutdegagnu schon gesorgt. Der Weg geht die ganze Zeit dahin, durch tiefe, dunkle Wälder und weite Wiesen, bestanden von vielen kleinen Büschen. Wir lagern immer unter dem freien Sternenzelt, aber wir haben Glück, denn es regnet nicht. Menschen scheinen auf dieser Insel wohl sehr vereinzelt zu leben, weil wir niemandem begegnen. Doch trotz der Vielfalt von Vorräten, die uns der Häuptling mitgegeben hat, werden sie bald zur Neige gehen, denn wir wandern nun schon seit drei Tagen. Am Abend des dritten Tages beschließen wir, uns das Essen sparsamer einzuteilen und als Zusatz Beeren und andere Naturprodukte zu essen. Beeren finden wir immer noch in Masse, obwohl sie an manchen Sträuchern schon verfault sind.

An diesem Abend also geht ‚Thommofloin’, den ich einstweilen noch so nennen will, los, um einige Beeren zu suchen. Nach kurzer Zeit, während der ich ein Lagerfeuer mache, kommt er zurück und hat in seinem Hemd einen kleinen Berg voll Beeren dabei. Erst essen wir ein wenig Fleisch und danach, als ‚Nachspeise’, Beeren. Am nächsten Morgen, als wir aufwachen, verspüre ich ein leichtes Bauchgrimmen, lege ihm aber keine Bedeutung zu. Auch Thommofloin sage ich nichts von dieser Erkenntnis. Doch nach dem Aufbruch werden meine Schmerzen immer stärker, und als ich Thommofloin dies mitteile, sagt er mir: „Du hast auch Schmerzen? Ich auch! Sollte ich vielleicht…“ – „Was solltest du vielleicht?“ – „…schlechte Beeren erwischt haben? Aber alle, die ich pflückte, sahen ganz so wie die Essbaren, die ich kenne, aus. Trotzdem glaube ich wirklich, dass es daran liegt. Wir werden ja sehen! Hoffentlich ist es keine Vergiftung, hier, in der Wildnis und ohne jeden Arzt!“

Das hört sich aber nicht gut an! Aber es scheint mir als das Wahrscheinlichste, denn ich selbst kenne mich ja auch nicht gut mit Pflanzen aus. Ich denke, Thommofloin hat schlechte Beeren einfach mit Guten, fast genauso aussehenden, verwechselt.

Der Himmel gefällt mir im Moment gar nicht gut, denn er ist nicht mehr blau, wie er noch heute Früh war, sondern wird ziemlich grau, sodass ich einen lang anhaltenden Landregen vermute, der ja ausgezeichnet auf unser jetziges Befinden passen würde! Doch noch können wir gut weitergehen und vielleicht noch einen guten Unterstand finden. Nach einiger Zeit erhebt sich vor uns eine kleine Anhöhe. Nachdem wir näher gekommen sind, gehen wir hinauf und entdecken am Rand des Pfades am Hang eine Höhle. Sollen wir uns dort unterstellen? Das Unwetter kann nicht mehr lange auf sich warten lassen. Ich beratschlage mich mit Thommofloin und wir beschließen, in der Höhle das Ende des Regens abzuwarten, obwohl wir noch Zweifel haben, ob die Höhle nicht von einem Tier bewohnt sei. Nun fängt es an zu regnen und wir haben keine andere Wahl.

In der Höhle finden wir zu unserem Erstaunen einen ebenen, trockenen Boden, sogar die Decke ist gut befestigt. Es sieht ganz danach aus, als ob diese Höhle hier bewusst eingerichtet worden ist. Nach einigem Suchen finden wir im hinteren Teil auch noch einen Essvorrat. Wenn nur mein Bauchweh nicht so schlimm wäre! Mit ihm macht mir nichts von diesen Sachen große Freude und ich glaube, dass es Thommofloin genauso geht. Wir machen es uns also bequem und essen ein wenig von dem getrockneten Fleisch, das wir gefunden haben.

„Was denkst du, wer hat das hier eingerichtet?“

„Ich weiß es natürlich nicht genau, Thommofloin, aber es könnte sein, dass die Ieldegrandeats sich hier auf dem Pfad für den Fall eines Unwetters ein Lager aufgebaut haben.“

„So wird es sein. Sag, meinst du, dass wir bald wieder auf einen Stamm treffen werden?“

„Ich glaube schon, dass wir gegen heute Abend ein Dorf erreichen könnten. Hat dir der Häuptling nichts gesagt, ob und wann wir auf ein Lager treffen?“

„Doch. Er sagte, dass wir nach ungefähr vier Tagen einen mit ihm befreundeten Stamm treffen würden und kurz danach, einen oder zwei Tage später, zum Meer kommen würden und dort noch einmal auf einen Stamm treffen würden, den er aber nicht so genau kannte. Mehr wusste er nicht.“

„Schön. Lass uns jetzt ein bisschen ausruhen, bevor wir nach dem Regen wieder aufbrechen.“

Nach sehr kurzer Zeit setzt der Regen ein. Er wird immer stärker, bis man die Tropfen draußen trommeln hören kann. Man kann die Erde riechen und sieht im Freien kleine Ströme von Wasser fließen. Während dessen wird mein Bauchweh immer schlimmer, ich spüre einen stechenden Schmerz in der Gegend des Magens. Ich weiß nicht, ob ich nach dem Regen in der Lage sein werde, weiterzugehen. Der Regen wird immer schlimmer, mein Bauchweh auch. Wie soll das weitergehen? Ich habe heute nacht schlecht geschlafen und lege mich daher jetzt ein wenig aufs Ohr. Trotz den anhaltenden Schmerzen schaffe ich es irgendwie, einzuschlafen.

Als ich wieder aufwache, hat sich der Regen gelegt. Meine Bauchschmerzen sind auch besser geworden, es schmerzt mich nun weniger. Weil Thommofloin noch schläft, gehe ich ein wenig aus der Höhle hinaus. Alles ist feucht und trotzdem warm. Es herrscht eine fast angenehme Schwüle. Es muss wohl um Mittag sein. Ich gehe ein wenig umher, hinauf auf den Hügel. Doch von dort kann man nicht viel sehen, da er mit dichtem Wald bewachsen ist. Als ich zurückkehre, erwartet mich Thommofloin bereits.

„Gerade wollte ich dich suchen gehen. Wie steht es mit deinen Bauchschmerzen? Meine haben sich gebessert, ich glaube, von mir aus können wir weiter gehen.“

„Danke für die Frage, auch bei mir sind sie besser geworden. Wollen wir uns noch ein bisschen Proviant von hier einstecken, bevor wir losgehen?“

„Ich glaube, wir sollten das Essen hier lassen, falls es einmal ein anderer braucht. Für heute Abend wird unseres schon noch reichen und morgen werden wir wahrscheinlich auf einen anderen Stamm stoßen.“

Damit brechen wir wieder auf. Hinter dem Hügel treffen wir wieder auf endlose Wiesen und auch Wälder. Als die Sonne nur noch eine Handbreit über dem Horizont steht, und wir gerade über eine weite Prärie laufen, sehen wir vor uns, vielleicht zwei Kilometer entfernt, Umrisse eines Dorfes. Wird es das gesuchte sein? Nach etwa einer halben Stunde kommen wir an. Es sieht hier genauso zivilisiert aus wie im Dorf der Ieldegrandeats: Nämlich gar nicht. Wir werden laut empfangen, wenn die Leute hier auch nicht so erstaunt über uns sind, wie die Ieldegrandeats über mich und wahrscheinlich auch über Thommofloin waren. Um zu erfahren, ob sie der gesuchte Stamm seien, spricht sie Thommofloin in der Sprache Disalutdegagnus an.

„Grüß Gott! Wir kommen vom Dorf der Ieldegrandeats und erfuhren von deren Häuptling, dass wir euch nach etwa drei bis vier Tagesmärschen erreichen würden. Seid ihr die Gesuchten und mit Disalutdegagnu befreundet?“

Einer von ihnen meldet sich hierzu zu Wort.

„Ja, wir sind wahrscheinlich die, die ihr sucht. Unser Häuptling Dögrachiñe ist im Moment leider auf Jagd. Ihr wollt sicherlich ein Nachtlager?“

Weil ich die Sprache der hiesigen Ureinwohner immer noch nicht gut verstehe, obwohl Thommofloin mir in meiner Zeit bei den Ieldegrandeats Sprachunterricht gab, übersetzt er mir:

„Der Mann hat gesagt, dass sein Häuptling Dögrachiñe nicht da ist und hat gefragt, ob wir hier übernachten wollen.“

„Dann antworte ihm doch!“

„Gut. Ja, wir wollen gerne hier bleiben, wenn ihr uns einen Unterschlupf für eine Nacht geben könnt.“

So verweilen wir für diese Nacht bei in diesem Dorf. Auch wenn wir kein Zelt finden, wie ich bei den Ieldegrandeats, haben wir doch Unterkommen in einer der Hütten. Am nächsten Morgen bekommen wir hier sogar ein Frühstück und Proviant. Beim Abschied vom Häuptling Dögrachiñe erfahren wir noch von ihm, dass wir schon ein großes Stück der Insel durchschritten hätten und in einigen Tagen ans Meer kommen würden.

Also gehen wir wieder los und haben nun schon unser zweites Ureinwohnerdorf hinter uns. Ich selbst bin nun schon seit elf Tagen auf dieser Insel. Sollen wir wirklich schon bald unsere Eltern wiedersehen? Die Wanderung geht weiter, immer wieder übernachten wir unter freiem Himmel. Danach geht unser Weg wieder fort, auf einem der wenigen ausgetretenen Pfade, die die Insel hat.

Nächstes Kapitel: „Die Überfahrt“