John Denver
Taylor K-65-CE
Nachdem ich in Johns „WILDlife Concert“ gesehen hatte, was für eine Gitarre er hatte, war ich wie besessen von der Schönheit und dem Klang dieses außergewöhnlichen Modells. Sie können sich ein Bild von Johns Gitarre ansehen.
Mit der Zeit fand ich heraus, dass es sich um eine Gitarre der Marke Taylor handelte, auch wenn mir dieser Name zu diesem Zeitpunkt noch nichts sagte. Ich setzte mich also an den Computer und tippte „Taylor John Denver“ in Google ein. Das führte mich auf die Seite über das John Denver Commemorative Model - Taylor JDCM - das die Firma 2003 nach der Enthüllung einer Statue von John auf dem Gelände der Windstar Foundation herausbrachte.
Ich war begeistert von dem Holz, Hawaiianisches Koa, das in bester Qualität nur auf der Hauptinsel von Hawaii wächst. Doch leider war diese Gitarre standardmäßig nur in der kleinen Korpusgröße Grand Concert (entspricht etwa einer klassischen Konzertgitarre) zu haben, und mich beeindruckte doch so sehr der kreisrunde untere Teil des Korpus bei einer Jumbo.
Zur ungefähr gleichen Zeit durfte ich bei einem Bekannten von den Pfadfindern eine zwölfsaitige Gitarre Probe spielen. Nun, ich hatte noch nie auf einer zwölfsaitigen Gitarre gespielt, und es war beeindruckend. Auf einmal hatte Lieder wie diesen besonderen Klang in der Gitarrenbegleitung, den ich von Johns Aufnahmen kannte. Und auch bei „Rocky Mountain High“, einem Lied, das John selbst auf der sechssaitigen Gitarre spielt, war auf einmal ein so fröhlicher Klang in der Begleitung, dass ich beschloss, meine erste gute, eigene Gitarre würde eine Zwölfsaitige werden.
Es gab zwar von der JDCM zwölfsaitige Modelle, aber natürlich zwei Jahre nach dem Erscheinen dieser limitierten Serie keine mehr zu kaufen. Und was würde das kosten!
Wenn ich mir aber einmal in den Kopf gesetzt habe, dass ich etwas haben will, suche ich mir alles, was ich darüber finden kann, heraus. So blätterte ich eine Ergebnisseite von Google nach der anderen durch, Suchbegriffe waren neben „Taylor John Denver“ auch „Taylor Koa“ oder „Taylor JDCM“ und fand schließlich heraus, dass es ein Taylor-Modell gab, das auf meine Vorstellungen passte: Die K-65-CE. Dass sie einen Tonabnehmer haben sollte, stand von vornherein fest, weil ich ja verstärkte Auftritte machen wollte, ohne jedoch damals schon eine richtige Anlage zu besitzen…
Es gelang mir letztendlich, einen amerikanischen Gitarrenladen zu finden, der eine solche Gitarre mit wunderschönem Koa-Holz (es ging mir damals mehr um das Aussehen als um den Klang – heute wäre das wohl im Gleichgewicht) zu einem hohen, aber nicht unerreichbaren Preis zum Verkauf hatte.
Ich glaube, ich werde nie wieder eine Gitarre direkt aus Amerika kaufen, denn ich habe, als der Tonabnehmer einmal kaputt ging, große Probleme gehabt, nicht den gesamten Reparaturpreis zahlen zu müssen… Aber in Deutschland gab es damals leider keinen Händler, der eine solche Gitarre vorrätig hatte, und im Vergleich mit anderen Gitarren des selben Modells hatte ich festgestellt, dass das Aussehen der Maserung von Gitarre zu Gitarre stark schwankte. Und der Preis war halt auch noch viel höher hier in Deutschland…
Irgendwann hatte ich dann jede Möglichkeit ausgeschöpft, die es gab, um den Kauf zu finanzieren, es war Ende Juli 2005, und nun stand ich vor dem Problem, ob ich dem amerikanischen Gitarrenhändler trauen sollte und ihm die Vorauskasse leisten sollte oder nicht… Ich überließ es letztendlich meinen Eltern, weil ich einige Tage vor Schulschluss auf das Bundeslager „Vineta“ des Bundes der Pfadfinderinnen und Pfadfinder in Deutschland e.V. (BdP) gefahren bin.
Während dieses Bundeslagers hatte ich viel Zeit, über den Erfolg oder den Mißerfolg des Kaufes zu spekulieren, zu planen, was ich alles mit der Gitarre anfangen könnte, zu träumen, was ich gerne noch für eine Anlage hätte… Schon weit vor dem Gedanken, die Gitarre zu kaufen, hatte ich ja schon den Gedanken gehabt, ein Bose Personalized Amplification System zu kaufen, das mir aber viel zu teuer war, und nun, nach dem Kauf der Gitarre, wohl überhaupt nicht mehr möglich sein würde… Dass ich heute bereits eines besitze, beweist, wie Träume wahr werden können, wenn man nicht nur träumt, sondern daran arbeitet, sie umzusetzen!
Immer wieder rief ich vom Bundeslager aus zu Hause an, um mich über den Stand der Dinge zu erkundigen. Meine Eltern ließen mich schmoren, aber auf Umwegen verschaffte ich mir Hoffnung. Nachdem ich erfahren hatte, dass sie die Gitarre wirklich bestellt hatten, fragte ich immer, ob ihr auf dem Transport nichts passiert sei.
Irgendwann kam der Tag der Heimfahrt, am Bahnhof in Wolfratshausen kamen wir weit nach Mitternacht an, und der Vater einer anderen Pfadfinderin nahm mich mit nach Geretsried.
Dort angekommen, ging ich sofort ins Gartenhaus, und dort stand ein großer Pappkarton, auf dem das Taylorlogo prangte. Ihr könnt euch sicher vorstellen, ein wie großer Stein mir da vom Herzen gefallen ist. Es war aber keine Gitarre darin, also erstmal hinüber ins Haus meiner Eltern – mein Papa war noch wach – ihn willkommen heißten – ins Wohnzimmer gehen – und da lag der große, schwarze Koffer.
Mein Papa erzählt, er habe mich selten so glücklich gesehen, wie in dieser Nacht, als ich die ersten Töne auf meiner – meiner ersten wirklich eigenen – Gitarre spielte. Es war Johns Lied „Sunshine On My Shouldes“. Ich wusste, dass ich hier eine Freundin gefunden hatte, mit der ich sicher viel erleben würde und mit der ich sicher lange glücklich sein würde – bis heute hat es zumindest einmal angehalten :)
Viel gibt es nicht mehr zu sagen, außer, dass ich in jener Nacht noch bis halb vier in der Früh wach war und spielte. Und, dass der nächste Tag ganz der Entdeckung ihrer Möglichkeiten gehörte. Ich glaube kaum, dass so ein Erlebnis jemals wiederholbar ist, aber das muss es auch nicht sein. Ich habe nur diese eine Gitarre und ich glaube, sie ist die beste, schönste und mir liebste Gitarre auf der Welt.

