Musik
Verteidiger der Folkmusik: Reichelt und Freunde erinnern an John Denver
Dieses Gefühl, auf dem Rücken eines Pferdes die Natur zu durchstreifen, abends am Lagerfeuer Gitarre zu spielen und „Take Me Home, Country Roads“ zu singen - wenn Lawrence Pripple aus Geretsried von diesem Gefühl erzählt, beginnen seine Augen zu leuchten. Lawrence Pripple heißt eigentlich Lorenz Reichelt und ist 16 Jahre alt. Auf der Newcomer-Bühne der Geretsrieder Musikschule hatte er mit seiner Band den ersten großen Auftritt - Zeit für ein Portrait.
Für sein Alter hat der Junge mit dem blonden Pferdeschwanz eine ungewöhnliche Leidenschaft: Die Country- und Folklieder von John Denver. „Seine Songs drücken die Gefühle, die ich habe, und die Gedanken, die ich mir mache, aus und bewegen mich“, sagt er. Seitdem ihm sein Vater zu Weihnachten eine CD mit Live-Aufnahmen von John Denver geschenkt hat, lässt ihn dessen Musik nicht mehr los. Ungewöhnlich ist das deshalb, weil Country-Musik heute, zumal bei Jugendlichen, eher als verstaubt und nicht gerade amerikakritisch verpönt ist. Doch Lorenz Reichelt will sich diesen Stempel nicht aufdrücken lassen: „John Denver ist nicht einfach nur Country. Seine Musik ist wahnsinnig vielfältig“, betont er. Voller Bilder und niemals oberflächlich. Mit seiner Band Lawrence Pripple and Friends will er die Begeisterung weitergeben.
Sechs Mitglieder zählt die Gruppe, und was eine Besonderheit ist: der Altersunterschied der Musiker ist recht groß. Da ist Marie-Luise Scheiterer, die „begabte Violonistin mit einer tollen Interpretationsfähigkeit“, wie Lorenz sagt, und mit 13 Jahren jüngstes Bandmitglied. Und da ist andererseits Teddy Wolf aus Königsdorf, mit 56 Jahren der Älteste in der Gruppe. Auch er liebt die Musik Denvers: „In den Texten geht es um Ehrfurcht und Respekt vor der Natur“, sagt der Drummer. Diese Naturverbundenheit ist es, die die Bandmitglieder, gleich welcher Generation sie angehören, als Lebensgefühl mit ihrem Idol teilen. Ihre Musik soll dem Ausdruck verleihen. „Es ist ein tolles Gefühl, wenn man allein mitten in der Natur ist“, schwärmt Lorenz Reichelt. Seit etwa einem Jahr gibt es Lawrence Pripple and Friends. Ihr Sohn sei „ständiger Motor“ der als lose Vereinigung gegründeten Band gewesen, sagt Gisa Pfnür-Reichelt, Mutter von Lorenz und mit der Mundharmonika und dem Piano dabei. „Ich wollte aufhören. Die Zukunftspläne der Band schienen mir zu bombastisch“, gibt sie zu. „Aber dann habe ich bei dem Konzert Lunte gerochen.“ Weitere Auftritte sollen folgen. Die Bandmitglieder schreiben (noch) keine Texte. Das werde ihnen häufig zum Vorwurf gemacht, bedauert Lorenz. „Aber jedes klassische Orchester spielt Werke von Beethoven oder Haydn. Da fragt keiner“, verteidigt er sich. „Und irgendwer muss John Denvers Musik ja schließlich am Leben erhalten.“ Schließlich sei der Künstler selbst schon gestorben. Er kam am 12. Oktober 1997 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.
Wer aber sollte „Annie's Song“ spielen, ein einfühlsames Liebeslied. Oder „Rocky Mountain High“. Lorenz greift zur Gitarre. Um die Berge geht es darin, den Sternenhimmel, die Wälder und Seen, „friends around the campfire and everybody's high“. Infos unter www.pripple.de
Süddeutsche Zeitung, Kathrin Wieland, Freitag, 23. Dezember 2005
